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  • Auf den Spuren der Vergangenheit - Heinersdorff

    15.02.2021

    Die Geschichte beginnt mit einer Freundschaft

    Constans Heinersdorff, der 1874 als Sohn des Gefängnispfarrers Karl Heinersdorff geboren wurde, traf im Herbst 1894 in London auf den dort vorübergehend als Volontär bei einer Exportfirma tätigen Klavierfabrikanten Rudolf Ibach aus Barmen. Die daraufhin entstehende Freundschaft war geprägt von zahlreichen Konzert- und Theaterbesuchen. Schon damals knüpften sie Verbindungen zu diversen Künstlern, die Jahre später noch bedeutsam sein sollten. Als die Firma Ibach ihre Kontakte von Barmen nach Düsseldorf stärken wollte, ergriff Constans Heinersdorff, der eigentlich gelernter Bankkaufmann war, im Jahre 1900 die Chance und wurde zusammen mit seinem Freund Rudolf Ibach Teilhaber des neu begründeten Ibach-Hauses in Düsseldorf.
    Im Laufe der darauffolgenden Jahre wurde das Ibachhaus – gleichzeitig Wohnsitz der Familie Heinersdorff – nach und nach erweitert: Es erhielt den Auftrag erste deutsche Klavier- und Flügelfabrikate zu vertreten, agierte als Konzertagentur mit angeschlossenem Kartenverkauf, vertrieb Musikalien, Schallplatten und Radiogeräte, beherbergte eine Reparaturwerkstatt sowie ein Institut für Schallplattenaufnahmen. Gleichzeitig wuchs in der Stadt die Notwendigkeit eines großen Kammermusiksaals und so begann 1909 unter der Leitung des Architekten Richard Hultsch der Bau des Ibach-Saales. Im März 1910 fand das Eröffnungskonzert statt. Bis zu seiner Zerstörung im Juni 1943 war der Ibach-Saal mit seinen 360 Plätzen das kammermusikalische Zentrum der Stadt und bot zugleich einen Versammlungs- und Aufführungsort für zahlreiche Akteure des Düsseldorfer Kulturlebens.

    Ibach-Haus um 1925

    Die Ära René Heinersdorff sen.

    Als Constans Heinersdorffs im Jahr 1936 verstarb, trat sein Sohn René Heinersdorff (später René Heinersdorff sen. genannt) in seine Fußstapfen. 1910 in Düsseldorf geboren, hatte René Heinersdorff sen. nach dem Abitur Volkswirtschaft und einige Semester Musikwissenschaft an der Universität zu Köln studiert. Nach seiner Ausbildung als Kaufmann und Klavierbauer bei der Firma Ibach trat er schließlich 1935 als Prokurist und Geschäftsführer bei Rud. Ibach Sohn in Düsseldorf ein. Im Jahr 1936 wurde René Heinersdorff sen. Teilhaber und ab 1938 Inhaber der Firma. Bei seiner Arbeit spielten Kreativität und Ideenreichtum stets eine große Rolle.

    „Wenn ich schon über die zwanziger Jahre berichte, darf ich auch nicht verhehlen, dass ich einige Jahre meiner Kindheit mit dem Spitznamen ‘Schrecken der Schadowstraße’ behaftet war. Wegen meiner Streiche bestand der Beiname zu Recht. Ein Beispiel dafür begab sich noch einmal 30 Jahre später, als ich in der Silvesternacht 1950 einen Flügel auf die Kö gestellt habe, der die Polizei vor ein großes Rätsel stellte.“

    Nach dem Ende des 2. Weltkriegs nahm René Heinersdorff sen. die Geschäfte mit unternehmerischem Geschick und künstlerischem Gespür wieder auf und erreichte 1955 die Eröffnung eines Klaviergeschäfts unter eigenem Namen - „Heinersdorff am Opernhaus“. 1964 eröffnete als wesentlicher Pfeiler des Unternehmens die Konzert- und Theaterkasse in der Flingerpassage.

    Die Förderung der musikalischen Jugend war in der Familie Heinersdorff schon immer großgeschrieben. Auch René Heinersdorff sen. führte diese Tradition ganz selbstverständlich fort. Er organisierte Klavierwettbewerbe für Jugendliche im Robert-Schumann-Saal (für den 1. Preis wurde alljährlich ein Flügel gestiftet) und gründete die Studio-I-Konzerte, mit denen er beginnend im Jahre 1955 einen weiteren Beitrag zur Förderung des Musikernachwuchses leistete. 1958 folgte die Konzertreihe „Studio II“, welche sich zur Aufgabe gemacht hatte, zeitgenössische Musik zu pflegen.

    Die Ära René Heinersdorff jun.

    Auch die dritte Generation der Heinersdorff-Familie sollte schon bald eng mit dem Unternehmen verflochten sein. René Heinersdorff jun., geb. 1937, absolvierte nach dem Abitur zunächst eine Kaufmanns- und Klavierbaulehre bei der Firma Steinway & Sons und ließ sich anschließend bei der Londoner Konzertagentur Ibbs & Tillett weiter ausbilden. Nachdem er seinem Vater einige Jahre über die Schulter geschaut hatte, machte sich René Heinersdorff jun. 1969 mit der Gründung des Konzert Theater Kontors selbstständig. Er veranstaltet zunächst Jazz-, Rock- und Pop-Konzerte: Größen wie Ella Fitzgerald, Count Basie oder Lionel Hampton waren seine Gäste. Ein Jahr nach der Gründung entschied er sich 1970 für seine erste Klassik-Programmreihe. Zum Auftakt wurde das Israel Philharmonic Orchestra unter Zubin Mehta begrüßt, elf Tage später spielte das Cleveland Orchestra mit Lorin Maazel. Das Repertoire des Konzert Theater Kontors Heinersdorff reichte somit von Arturo Benedetti Michelangeli über Oscar Peterson und John Mayall bis zu James Last, vom Solo-Klavierabend über die Jam Session bis zum großbesetzten Sinfoniekonzert.

    Nach dem Tod von René Heinersdorff jun. im Juni 2014 wurde mit Pascal Funke aus Hamburg ein enger Freund der Familie neuer Gesellschafter und Geschäftsführer des Kontors. Er setzte Burkhard Glashoff als weiteren Geschäftsführer ein, der mit seiner Programmplanung die Tradition der Weltklassekonzerte bei Heinersdorff weiterführt.

    Heinersdorff Generationen

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