Hintergründe

Der Pianist Lang Lang

Klassikikone. Popstar. Philanthrop

LangLang_Piano Book 2_c_Sonja Mueller_Deutsche Grammophon
© Sonja Müller/Deutsche Grammophon

Ein Menschenfreund

Es heißt, jede Woche habe sieben Tage und jeder Tag genau 24 Stunden. Für Lang Lang scheinen andere Gesetze zu gelten. Heute Europa, morgen Amerika, nächste Woche Asien: keine Seltenheit in seinem Terminkalender, der regelmäßig die bedeutenden Musiktempel der Welt listet und so eng getaktet ist, dass allein das Lesen den Atem nimmt. Auch wenn Lang Lang betont, in früherer Zeit weit mehr Konzerte gegeben zu haben: Bis zu zehn in einem Monat können locker zusammenkommen. Dazu Auftritte in TV-Shows, auf der EXPO, bei den GRAMMY Awards und auf Sportevents, Stiftungsarbeit und Education-Projekte, Piano-Lectures auf YouTube und Social Media. Aber auch: Kampagnen als Markenbotschafter für feinen Zwirn, Cognac und Luxusuhren. Ein Herzensanliegen: seine Missionen als UN-Friedensbotschafter. Und seit ein paar Jahren unverrückbar im Auge des Sturms: die eigene kleine Familie. Unglaublich, welches Pensum Lang Lang fortwährend bewältigt, ohne es je wie Anstrengung wirken zu lassen. Er ist ein Megastar, weit über die Klassikszene hinaus. Er hat olympische Spiele eröffnet, mit Paul McCartney im Weißen Haus konzertiert, mit Metallica die Herzen harter Rockfans berührt und an Elmos Seite die Sesamstraße gerockt. Er hat mit Herbie Hancock gejazzt, mit Ed Sheeran performt und stürmt regelmäßig die (chinesischen) Popcharts. Musikalisch ist Lang Lang omnipräsent und auch jenen ein Begriff, die klassikferner kaum sein könnten. 

Anders als alle

Er sei Pianist, Pädagoge und Philanthrop, heißt es in seiner offiziellen Biografie. Es klingt eigentlich zu bescheiden für die enorme Bedeutung, die Lang Lang und seiner Leistung in so vielen künstlerisch-gesellschaftlichen Bereichen zukommt. Schon 2009 wählte ihn das Time Magazine unter die 100 einflussreichsten Menschen der Welt. Da war Lang Lang gerade erst 27 Jahre alt. Sein internationaler Durchbruch und rasanter Aufstieg zur absoluten Weltspitze lagen trotzdem bereits zehn Jahre zurück. Und eine Autobiografie hatte er auch schon veröffentlicht. Darin zu lesen: vom ersten Klavierunterricht mit drei Jahren, von der Aufnahme an der Musikhochschule in Beijing mit neun Jahren sowie von bedeutenden Preisen und vom Studium in Amerika. Ein weiteres Thema: das gnadenlose Konkurrenzsystem im Riesenreich, in dem ein ehrgeiziger Vater über den Sohn einen Weg suchte, sich von der Masse abzuheben und der Armut zu entkommen. Ein Drillmaster sondergleichen, mit dem und dessen harten Methoden Lang Lang zwar inzwischen seinen Frieden geschlossen hat. Sie sind ihm aber mahnendes Beispiel geblieben und haben zu einer Erkenntnis geführt: Musik machen sollte in erster Linie Spaß bringen und keinesfalls der Seele Schmerz zufügen. 

Musik als Botschafterin

Ich habe das Gefühl, dass ich in der Musik mehr zu sagen habe, dass ich reifer geworden bin.

Darum hat Lang Lang auch seine eigene Stiftung gegrün-det, die explizit die musikalische Bildung von Kindern und Jugendlichen fördert. Musikunterricht, ist der Pianist überzeugt, sollte von zentralem gesellschaftlichem Interesse sein. Zwar könne Musik die Welt nicht ändern. Aber sie habe bedeutsame Botschaften: von Gemeinsamkeit, vom vorurteilsfreien Begegnen – im selben Raum, im selben Geist – und davon, wie wichtig es ist, einander zuzuhören. Lang Lang nutzt seine gigantische Popularität und Reichweite, um diese Message mittels Musik unter die Menschen zu bringen. Kommunikation ist ihm seit Beginn seiner Karriere ein wichtiges Anliegen. Darin habe er sich nicht geändert, sagt Lang Lang. Aber: „,Ich habe das Gefühl, dass ich in der Musik mehr zu sagen habe, dass ich reifer geworden bin.“

Lang-Lang-Beethoven-Kosmos

Selbst einst schärfste Kritiker attestieren Lang Lang heute ein schier unvergleichlich sensibles, nuancenreiches und tieflotendes Spiel eng am musikalischen Text. Dass er absolute Verfügungsgewalt über jegliche technischen Herausforderungen hat, daran besteht ohnehin kein Zweifel. Sie gewährt ihm Spontaneität, blitzschnelle Reaktion und die Möglichkeit zum intensiven musikalischen Dialog mit den Bühnenpartner:innen. Skills, die er bestens zur Geltung kommen lassen kann, wenn er im Beethoven-Jahr 2027 gemeinsam mit dem Gewandhausorchester unter der Leitung von Andris 
Nelsons Gast der Heinersdorff Konzerte ist: Mit dem dritten und vierten Klavierkonzert hat er sich die Werke vorgenommen, die er unter den fünf Beethoven-Konzerten am meisten schätzt. In der Musikgeschichte markieren sie nicht weniger als eine Zeitenwende. „Ich verehre Beethoven – ein Mann mit Visionen“, sagt Lang Lang. Visionen hat er auch. Viele sogar. Und genau dafür verehrt ihn die Welt. 

  • Gewandhausorchester
    Samstag, 12. Juni 2027 | 20:00 Uhr | Tonhalle, Mendelssohn-Saal
    Gewandhausorchester

    Andris Nelsons | Lang Lang

    Abo+ Tickets
  • Gewandhausorchester
    Sonntag, 13. Juni 2027 | 11:00 Uhr | Tonhalle, Mendelssohn-Saal
    Gewandhausorchester

    Andris Nelsons | Lang Lang

    Abo+ Tickets